Charli xcx und ihr Brat-Summer: Feminismus in der Pop-Branche

Frauenrechte im Pop:Wie Charli xcx die "Brat"-Bewegung lostrat

von Kim Bachmann
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Ihr Album "Brat" ist zum Symbol für Frauen geworden, die dem klassischen Rollenbild trotzen. Sängerin Charli xcx kämpft seit Jahren für Gleichberechtigung in der Popbranche.

Charli xcx trägt eine Sonnenbrille und singt in ein Mikrofon. Der Hintergrund ist dunkel, auf einer Seite ist Nebel.

Charli xcx versucht den Spagat zwischen Mainstream und experimenteller Popmusik.

Quelle: ZDF/© 2025 Entertain Me Productions

Album des Jahres 2024 und drei Grammys: Mit "Brat" hat Popsängerin Charli xcx nicht nur große Preise abgeräumt, sondern auch eine neue Bewegung auf Social Media losgetreten. Es geht um Emanzipation, Selbstwert und darum, sich selbst treu zu bleiben. Was durch Charli xcx 2024 zum regelrechten Hype wurde, ist das Ergebnis ihres jahrelangen Einsatzes für Feminismus.

Charli xcx und das Gefühl anders zu sein

Charli xcx, mit richtigem Namen Charlotte Emma Aitchison, stammt aus Essex in Großbritannien. Ihr Vater hat schottische, ihre Mutter indische Wurzeln. Als Teenagerin fühlte sich Charli xcx wie eine Außenseiterin. In einem Interview mit dem Männermagazin GQ erzählte sie, sie habe sich stets wie ein Loser gefühlt, da sie das "halb indische Mädchen mit krausem Haar und völlig anderen Interessen" war.

Ihr erstes Album produzierte Charli xcx ohne Hilfe mit gerade einmal 14 Jahren und teilte es auf der Plattform MySpace. Ihre ersten Auftritte: Lagerhaus-Raves und Partys in London. Dabei begleiteten sie sogar ihre Eltern, die sie in ihrer aufstrebenden Karriere unterstützten.

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Album "Sucker" ist Durchbruch für Charli xcx

Schon früh in ihrer Karriere übte die Sängerin immer wieder Kritik an der Popbranche, in welcher Künstlerinnen und Künstler oftmals nicht selbstbestimmt arbeiten können. Ihr Album "Sucker" sei beispielsweise inspiriert durch "die nervigen Leute in der Musikindustrie", erklärt die Sängerin in der ZDFinfo-Dokumentation "The True Story of Charli xcx". Den gleichnamigen Song "Sucker", im Deutschen übersetzt mit "Trottel", habe sie geschrieben, als sie sehr wütend war, so die Popsängerin in einem Interview mit Pitchfork.

Ich hasse es, wenn Leute denken, ich sei nur ein kleines Mädchen, das mit Pop-Produzenten ins Studio geht und diese dann ihre Magie anwenden.

Charli xcx, Sängerin und Songwriterin

Das Album war ihr internationaler Durchbruch, es landete in den Top-Ten-Charts in Großbritannien und den USA. Die Hitsingle "Boom Clap", Soundtrack des Kinofilms "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", stand Wochen lang in den Top Ten.

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Mit eigenem Label auf das neue Genre Hyperpop gestürzt

Später gründete die Popsängerin sogar ihr eigenes Label. Mit "Vroom Vroom Recordings" stürzte sie sich auf ein neues Genre: den Hyperpop. Die Sängerin wollte weg von radiotauglichen Chartsongs, die den großen Massen gefallen sollen. Sie wollte lieber das machen, worauf sie Lust hat.

Ich will ich selbst sein und nicht zu einer Figur werden, der ich nicht gerecht werden kann.

Charli xcx, Sängerin mit eigenem Label

Sehen Sie die Doku "The True Story of Charli xcx" am 4. September um 1:15 Uhr bei ZDFinfo oder streamen Sie sie jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Charli xcx kritisiert Popindustrie

Seit Beginn ihrer Karriere kämpft die nun 33-jährige Sängerin für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen innerhalb der Musikindustrie. Frauen würden weiterhin in Schubladen gesteckt werden, so die Sängerin. Man sei entweder das sexy Pop-Girl oder das schräge Mädchen, entweder laut oder leise.

Ich lasse mich nicht durch mein Geschlecht definieren. Ich bin keine tolle weibliche Musikerin. Ich mache einfach tolle Musik.

Charli xcx, Sängerin aus Großbritannien

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Laut Charli xcx ist es als Frau im Musikbusiness oft schwierig. Beispielsweise würden bei Festivals weiterhin die Bühnen mit mehr Männern als Frauen besetzt werden, so die Sängerin.

Auf diese Ungleichheiten wollte Charli xcx 2015 mit ihrer Doku "The F-Word and me" aufmerksam machen. Das "F-Word", gemeint ist der Feminismus, wurde für sie zu einem immer größeren Thema. Der Weg zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Musikindustrie sei weit, so ihre Kritik, und Frauen müssten in der Popbranche noch viele Hürden überwinden.

Howie Dorough, Nick Carter, Alexander James McLean und Brian Littrell (l-r), Mitglieder der US-amerikanischen Band Backstreet Boys stehen singend auf der Bühne. Sie sind alle schwarz gekleidet und tragen Lederhosen.

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"Brat" wird nach Album von Charli xcx zum Wort des Jahres gekürt

2024 veröffentlichte die Sängerin ihr Album "Brat". Das Albumcover: nicht ästhetisch, ein grell leuchtendes Giftgrün mit schwarzer Aufschrift. "Brat", klassisch übersetzt mit Göre, steht seitdem auch für eine selbstbewusste, unabhängige und hedonistische Einstellung. Das britische Lexikon "Collins Dictionary" kürte "Brat" sogar zum Wort des Jahres 2024.

"Brat" wird zum Lebensstil einer Generation, bei dem Frauen gegen ihre klassische Rolle in der Gesellschaft rebellieren. "Brat" bedeute auch, sich nicht mehr zurückzunehmen, sondern herausstechen zu dürfen und sich frei zu entfalten. So wie Popsängerin Charli xcx.

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Quelle: dpa

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