Milliardengeschäft Tierschmuggel:Mühsamer Kampf gegen den Wildtierhandel
Ein Ara oder eine Schlange als Statussymbol: Exotische Tiere sind gefragt, der Handel mit ihnen bringt Milliarden. Für die Behörden ist es ein mühsamer Kampf gegen die Tiermafia.
Europa ist ein lukrativer Markt für Vogelschmuggler. Exotische Vögel wie Papageien oder ihre Eier werden aus Ländern wie Brasilien heraus geschmuggelt. Ohne Rücksicht auf bedrohte Arten.
31.08.2025 | 28:44 minDie Einsatzkräfte schlugen in 138 Ländern gleichzeitig zu. Sie durchsuchten hunderte Container, Plastikbehälter und ausgehölte Bäume, sie durchkämmten die Hohlräume von Schiffen, Flugzeugen und Autos, sie tasteten die Kleidung von Reisenden ab.
Die "Operation Thunder", die weltweit im November und Dezember letzten Jahres stattfand, war die bislang größte Aktion gegen die internationale Tierschmuggel-Mafia. Und doch kann sie das Milliardengeschäft kaum bremsen.
Falken aus Großbritannien sind im Nahen Osten begehrt. Bei Wettbewerben erzielen sie dort hohe Platzierungen. Doch neben der legalen Zucht kommt es auch zu Wilderei und Schmuggel.
03.02.2025 | 2:00 minErmittler stellen Tiger und Singvögel sicher
Unter der Leitung von Interpol und der Weltzollorganisationen waren hunderte Polizisten, Zollbeamte, Wildhüter und Artenschützer im Einsatz. Sie machten während der Aktion "reiche Schmuggelbeute": Tiger, Schildkröten, Menschenaffen und seltene Singvögel - insgesamt rund 20.000 Wildtiere.
Die Doku "Umwelt Crime: Das Millionengeschäft des Vogelschmugglers" zeigt den Fall des Österreichers Johann Z.. 30 Jahre lang schmuggelte er unbehelligt exotische Papageien. Sie können seine Geschichte am 31. August um 15:45 Uhr im ZDF sehen oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Die Ermittler hoben sechs grenzüberschreitende Netzwerke aus und nahmen 365 Verdächtige fest. Für die Behörden ein wichtiger Erfolg gegen die organisierte Kriminalität. "Die Beteiligung lateinamerikanischer und europäischer Länder unterstreicht die effektive Zusammenarbeit zwischen den Ländern im Kampf gegen den Wildtierhandel", sagt Interpol-Sprecherin Justine Rheaume Laget.
Geschredderte Problemabfälle, Schäden in Millionenhöhe - ab 2005 macht ein Entsorgungsunternehmer in Brandenburg Kasse mit illegalem Müll. Erst nach Jahren fliegt der Betrug auf.
09.03.2025 | 28:19 minTierschmuggler finden immer neue Wege
Doch der Krake "Tierschmuggel-Mafia" wachsen ständig neue Arme. Der Kampf dagegen ist deshalb schwierig, räumt Interpol ein.
Die Schmuggler nutzen häufig internationale Schmuggelrouten, fälschen Genehmigungen und Zollerklärungen und vermischen legale und illegale Waren.
Justine Rheaume Laget, Interpol
Eigentlich gibt es genaue Regeln und Gesetze, die den Tierschmuggel verhindern sollen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen regelt den globalen Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten. Derzeit schützt die sogenannte CITES-Konvention (Convention of International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) etwa 5.800 Tiere und 30.000 Pflanzen.
Doch die Tierschmuggler finden immer neue Wege, um den Behörden zu entwischen. "Wie im Drogen- oder Waffenhandel gibt es ein ständiges Wettrüsten zwischen den Schmugglern und denen, die ihnen das Handwerk legen wollen", sagt Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord. "Wird ein Airport zu heiß, dann weichen die Schmuggler auf ein anderes Land aus."
Mit dem Tierschmuggel werden weltweit gewaltige Umsätze gemacht: Nach Angaben von Interpol werden jährlich Tier- und Pflanzenarten im Wert von mehr als 14 Milliarden Euro auf dem Schwarzmarkt gehandelt - fast so viel wie im Waffen- und Drogenhandel.
Schmuggel von Eiern statt von ausgewachsenen Tieren
Die Tierschmuggler sind beispielsweise dazu übergegangen, nicht mehr ausgewachsene, große Tiere durch den Zoll zu schmuggeln, sondern deren Eier. In Europa brüten sie die dann aus und fälschen die dazu gehörenden Papiere.
Zudem nutzten Schmuggler neue technische Möglichkeiten: "Technologien wie Online-Marktplätze und soziale Medien machen es den Schmugglern leichter, ihr Geschäft durchzuführen und mit internationalen Käufern in Kontakt zu treten", so Interpol-Sprecherin Justine Rheaume Laget.
Umweltdesaster in Mitteleuropa: Hunderttausende Fische sterben 2022 in der Oder. Die Ursachen sind lange unklar. Im Sommer 2024 wiederholt sich das Drama. Ist die Oder zu retten?
20.10.2024 | 28:44 minBehörden fehlen Mitarbeiter und Fachkompetenz
Doch es sind oft auch die Behörden selber, die den Tierschmugglern das Leben leicht machen. "In den Ländern der Europäischen Union existieren in der Regel zwar sehr scharfe Gesetze, die den Handel mit exotischen Tieren überwachen sollen," sagt Hirschfeld.
Das Problem ist: Die meisten der Bestimmungen existieren nur auf dem Papier.
Axel Hirschfeld, Komitee gegen Vogelmord
Denn vielen Zollbeamten und Kontrolleuren fehlt es an Ressourcen. "Auf der einen Seite haben viele Behörden einfach nicht die Fachkompetenz", sagt Hirschfeld. "Auf der anderen Seite gibt es einfach nicht genug Mitarbeiter, um den Handel zu überwachen. Das macht es den Schmugglern so leicht, ihr Geschäft durchzuziehen."
Immer mehr Länder haben Spezialeinheiten
Für die Behörden sind grenzüberschreitende Aktionen bisher schwierig zu organisieren, die Beweissammlung ist mühsam. Derzeit verfügen nur wenige EU-Mitgliedstaaten über spezialisierte Einheiten, die sich mit Umweltkriminalität beschäftigen - und sich mit der Materie auskennen.
Doch das soll sich ändern. "Wir haben Fortschritte erzielt, denn in einigen Ländern wurden neue Einheiten eingerichtet", sagt José Antonio Moreno, Experte für Organisierte Kriminalität bei der Strafverfolgungsbehörde Europol. Eine bessere technische Ausrüstung und mehr Ermittlungskapazitäten seien der Schlüssel zum Erfolg, glaubt er.
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