Haushaltsstreit in Frankreich:Premier Bayrou will Vertrauensfrage stellen
Frankreichs Premier François Bayrou will sich im Streit über seine Sparpläne einer Vertrauensfrage stellen. Weite Teile des Parlaments kündigten an, gegen ihn stimmen zu wollen.
Frankreich versinkt im Schuldenberg. Premier Bayrou plant ein striktes Sparprogramm mit eingefrorenen Renten, gekürzten Sozialleistungen und der Abschaffung von Feiertagen.
26.08.2025 | 1:33 minIm Streit über die drastischen Sparpläne des französischen Premierministers François Bayrou soll es zu einer Vertrauensabstimmung im Parlament kommen. Bayrou kündigte an, sich am 8. September bei einer Sondersitzung der Vertrauensfrage stellen zu wollen. Darauf habe er sich mit Präsident Emmanuel Macron verständigt.
"Wenn es eine Mehrheit gibt, ist die Regierung bestätigt", sagte der Mitte-Rechts-Politiker am Montag bei einer Pressekonferenz. Und weiter:
Wenn es keine Mehrheit gibt, stürzt die Regierung.
François Bayrou, Frankreichs Premier
Rund 44 Milliarden Euro will Frankreich im kommenden Jahr einsparen, so Premierminister Bayrou. Betroffen ist das Sozialsystem, auch zwei Feiertage könnten wegfallen.
16.07.2025 | 0:25 minBayrou will sich und seiner Minderheitsregierung den Rückhalt der Nationalversammlung für seine Pläne sichern, im kommenden Jahr knapp 44 Milliarden Euro einzusparen.
Opposition will gegen Bayrou stimmen
Mit seiner Ankündigung zum Ende der politischen Sommerpause tritt der Premier die Flucht nach vorne an. Angesichts der beabsichtigten Milliardeneinsparungen hatte die Linksfraktion bereits ein Misstrauensvotum gegen Bayrou und seine Regierung angekündigt.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat eine massive Erhöhung des Wehretats angekündigt. Die Freiheit sei in Gefahr und hänge von aktuellen Entscheidungen ab.
14.07.2025 | 1:33 minMehrere Oppositionsparteien kündigten umgehend an, gegen Bayrou stimmen zu wollen. Der Chef der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, schrieb auf der Plattform X, seine Partei werde "niemals" einer Regierung das Vertrauen aussprechen, "deren Entscheidungen die Franzosen leiden lassen". Auch die linkspopulistische Partei La France Insoumise (LFI), die Grünen und die Kommunisten erklärten, sie wollten die Regierung Bayrou zu Fall bringen.
Bleiben alle Oppositionsparteien geschlossen bei ihrer Position, hätten sie zusammen 315 der 577 Stimmen in der Nationalversammlung und damit eine Mehrheit gegen die Regierung. Macron müsste dann bereits den siebten Regierungschef seiner zwei Amtszeiten ernennen.
Zwischen den USA und Frankreich herrscht diplomatische Verstimmung. Frankreichs Außenministerium bestellt den US-Botschafter ein, spricht von unzulässiger Einmischung in innere Angelegenheiten.
25.08.2025 | 2:38 minAufruf zu Generalstreik und Protesten
Bayrou will die öffentlichen Ausgaben mit Ausnahme der Verteidigung einschränken, Renten und Sozialleistungen einfrieren und zwei der insgesamt elf Feiertage abschaffen. Der Sparplan löste bei der Opposition und bei Gewerkschaften scharfe Kritik aus. In den vergangenen Wochen mehrten sich online Aufrufe, Frankreich am 10. September mit Streiks lahmzulegen.
Bayrou verteidigte seine Pläne am Montag. Die "Überschuldung" des französischen Staates sei eine "unmittelbare Gefahr" für Frankreich. Hunderte Milliarden an geliehenen Euro seien nicht für Investitionen genutzt worden, sondern für laufende Ausgaben, so der Premier.
"Insgesamt fallen die Zahlen enttäuschend aus", so Frank Bethmann von der Frankfurter Börse. Lediglich Spanien und Frankreich würden "die europäische Wachstumsfahne hochhalten".
14.08.2025 | 1:13 minFrankreichs Haushaltsdefizit über EU-Obergrenze
Anfang Juli hatte Bayrou noch ein von den Sozialisten beantragtes Misstrauensvotum überstanden, weil sich zwar das linke Lager, nicht aber das Rassemblement National (RN) hinter das Votum stellte.
Das Haushaltsdefizit Frankreichs lag im vergangenen Jahr bei 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - fast doppelt so hoch wie die EU-Obergrenze von drei Prozent. Der öffentliche Schuldenstand ist auf 114 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Damit ist Frankreich einer der Staaten im Euroraum mit der höchsten Schuldenquote.
Der französische Regierungschef Bayrou hat zwei Misstrauensvoten überstanden und damit auch den Haushalt 2025 durchgebracht. Die Regierung hat keine eigene Mehrheit im Parlament.
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