Kanzler Merz schließt Wehrpflicht für Frauen nicht aus

Bundeswehr:Merz schließt Wehrpflicht auch für Frauen nicht aus

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Bundeskanzler Merz plädiert für eine Rückkehr zur Wehrpflicht, sollte das neue Freiwilligen-Modell scheitern. Auch Frauen müsse man dann heranziehen können.

Weibliche Rekruten der Bundeswehr in einer Reihe aufgestellt und von hinten.

Der Bundeskanzler will im Falle einer Rückkehr zur Wehrpflicht auch die Verpflichtung von Frauen ermöglichen.

Quelle: dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schließt langfristig eine Wehrpflicht auch für Frauen nicht aus. Wenn das auf Freiwilligkeit beruhende neue Wehrdienst-Modell nicht ausreiche, "dann wird es einen Mechanismus geben müssen, auch zur Wehrpflicht zurückzukehren", sagte Merz am Freitag dem französischen Sender TF1. Dies sei nicht einfach.

So erlaube es etwa die Verfassung nicht, Frauen zum Wehrdienst heranzuziehen. "Das müssten wir dann eigentlich tun", betonte der Bundeskanzler. "Da liegen noch einige Hürden vor uns, aber wir fangen an", fügte er hinzu. Es sei "aus heutiger Sicht ein Fehler" gewesen, 2011 die Wehrpflicht auszusetzen.

Oberst André Wüstner

André Wüstner vom Bundeswehrverband bezweifelt, dass mit Freiwilligkeit genug Soldaten für die Bundeswehr gewonnen werden können.

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Merz: "Diese Demokratie müssen wir verteidigen"

Merz begründete den Ausbau des freiwilligen Wehrdienstes mit der russischen Bedrohung. Der russische Präsident Wladimir Putin habe es nicht nur auf die Ukraine abgesehen. "Er möchte die alte Sowjetunion wiederherstellen. Und dazu gehört auch ein Teil meines Landes", sagte Merz. Dabei gehe es Putin nicht in erster Linie um territoriale Ansprüche.

Es geht um die Destabilisierung unserer Demokratie und dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen.

Friedrich Merz, CDU, Bundeskanzler

Putin fühle sich "bedroht durch die Kraft der Freiheit und die Kraft der Demokratie". Deswegen wolle er diese nicht in der Nähe haben. "Aber gerade diese Demokratie, die müssen wir verteidigen", sagte der Kanzler.

Alexus G. Grynkewich, Carsten Breuer, Friedrich Merz und Boris Pistorius mit weiteren Kabinettsmitgliedern nach der 14. Sitzung des Bundeskabinetts im Bundesministerium der Verteidigung. Berlin, 27.08.2025

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Merz hält an nuklearem US-Schutzschirm fest

Merz zeigte sich skeptisch, dass der Dialog mit Putin demnächst wieder aufgenommen werden könne.

Wir werden für viele Jahre mit einem aggressiven, russischen, autoritären Regime zu tun haben, das kein Interesse daran hat, wieder zu einer regelbasierten Ordnung zurückzukommen.

Friedrich Merz, CDU, Bundeskanzler

Mit Blick auf den strategischen Dialog über nukleare Abschreckung betonte Merz die transatlantische Bindung Deutschlands. Er wolle an dem nuklearen Schutzschirm der USA mit entsprechenden Waffensystemen auf deutschem Boden nichts ändern, sagte er.

Aber er wolle das Gesprächsangebot der französischen Regierung annehmen, über nukleare Teilhabe zu sprechen. "Ich möchte uns nicht in neue zusätzliche Abhängigkeiten führen", betonte er dabei.

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Quelle: AFP

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