Trumps Arzneiplan könnte Medikamente in Deutschland verteuern

Medikamentenpeise in USA:Trumps Arzneipläne: Risiken für Deutschland

Stephanie Barrett
von Stephanie Barrett
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Präsident Trump will die Medikamentenpreise für US-Bürger senken. Vier Wochen haben die Konzerne dafür Zeit. Warum Arzneien dadurch hierzulande teurer werden könnten.

Symbolbild: Medikamente sind am 17. 11. 2023 in einem Geschäft in Las Vegas, USA zu sehen.

Trump will die Preise hier senken: Medikamente in den USA

Quelle: imago

In den USA krank zu sein ist teuer und kann Menschen in den Ruin treiben. Im Schnitt zahlt man nämlich in den USA dreimal mehr für Medikamente als in anderen Industriestaaten.

Die Preise für Arzneimittel richten sich in den USA wie bei jedem x-beliebigen Produkt nach Angebot und Nachfrage. Dabei ist der Handel mit Medikamenten kein normaler Markt. Auf ein neues Auto kann man im Zweifel verzichten, auf ein Krebsmittel nicht.

Bild im Labor: Mit einer Pipette wird eine rote Flüssigkeit in ein Reagenzglas gefüllt.

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Trumps Drohung: Preissenkung über Bestpreisklausel

Das Krebsmittel Keytruda soll das Immunsystem aktivieren, damit der Körper Metastasen angreift. 2024 lagen die Behandlungskosten mit dem Präparat in den USA bei umgerechnet 184.000 Euro pro Jahr. In Deutschland waren es mit knapp 86.000 Euro nicht mal die Hälfte.

Das will US-Präsident Donald Trump nun ändern. Geschieht bis Ende September nichts, droht er mit einer Bestpreisklausel: Unternehmen dürfen ihre Medikamente in den USA dann nur noch zum niedrigsten Preis anbieten, den sie auch in einem anderen Industrieland verlangen.

Hat ein Konzern zum Beispiel mit deutschen Krankenkassen einen Preis für ein Medikament ausgehandelt, dürfte er in den USA keinen höheren verlangen. Pharmakonzerne suchen nun Auswege und reagieren bereits, um ihr Geschäft in den USA zu retten. Denn die USA sind mit Abstand der weltweit wichtigste Markt, hier erzielen sie hohe Gewinne.

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Preispoker in USA und Europa hat begonnen

Zweidrittel ihres Gewinns und mehr als die Hälfte ihres Umsatzes machen Pharmahersteller allein auf dem US-Markt. Beim Medikament Ozempic fällt der Unterschied noch gewaltiger aus: So kostet ein Pen mit einem Milligramm des Abnehmmittels in Deutschland knapp 200 Euro, in den USA umgerechnet dagegen mehr als 900 Euro.

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk reagierte nun bereits und kündigte an, den Preis für sein Diabetesmittel Ozempic in den USA für Selbstzahler zu halbieren. Umgekehrt wollen Hersteller die Preise in Europa erhöhen. In Großbritannien erhöhte Eli Lilly den Preis für seine Abnehmspritze um 170 Prozent.

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Preissteigerungen durch US-Zölle bis zu 250 Prozent

Jahrzehntelang wurden Arzneimittel zwischen Europa und den USA zollfrei gehandelt, um die Versorgung der Patienten zu sichern. Damit ist seit Trumps Zöllen nun Schluss. Zunächst werden 15 Prozent Zölle fällig, später könnten sie auf bis zu 250 Prozent steigen, mit Folgen für die Branche, und steigenden Preisen für Patienten.




"Für Pharmaunternehmen führt die Bestpreisgarantie zu Umsatzeinbußen in den USA", sagt Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom an der Universität Duisburg-Essen.

Gleichzeitig ist es illusorisch, dass in Europa die Bereitschaft steigt, mehr Geld für Medikamente auszugeben. In der Folge werden Produktionsstätten vermutlich von Europa in die USA abwandern.

Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom

Preissteigerungen bei Arzneimitteln in Europa

Um ihr lukratives US-Geschäft zu retten, könnten Pharmahersteller auch auf den europäischen Markt verzichten oder neue Medikamente nur verzögert auf den europäischen Markt bringen.

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Neben tendenziell steigenden Medikamentenpreisen in Europa wäre weniger Verfügbarkeit die Folge, insbesondere von werthaltigen Arzneimitteln.

Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom

Falls die Konzerne sich für die USA und gegen Europa entschieden, stünde niemand gut da. Amerikaner müssten weiterhin die hohen Preise zahlen, während man in Deutschland manche Mittel gar nicht mehr bekäme.

Noch gelten für viele Medikamente bestehende Verträge, die sich nicht einfach von heute auf morgen auflösen lassen. Doch auf lange Sicht wird sich Europa vermutlich auf steigende Arzneimittelpreise einstellen müssen.

Stephanie Barrett ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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