Auskundschaften in Deutschland:Experte warnt vor russischer Drohnen-Spionage
Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges hat russische Spionage mit Drohnen auch hierzulande zugenommen. Im Visier: Waffentransporte. Warum das so heikel ist, erklärt ein Experte.
Seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine sei dann auch die russische Spionage mit Drohnen in Deutschland häufiger geworden, erklärt Sicherheitsexperte Schindler.
30.08.2025 | 14:59 minÜber deutschen Militärbasen und Routen von Waffentransporten in die Ukraine tauchen zunehmend russische Drohnen auf. Medien berichten von systematischer Spionage. Deutschland sei unzureichend auf die dadurch entstehenden Gefahren vorbereitet.
Im Interview mit ZDFheute live erklärt der Sicherheits- und Geheimdienstexperte Hans-Jakob Schindler, wie Russland vorgeht und welche Schwächen deutsche Behörden haben. Sehen Sie das Video hier und lesen Sie es unten in Auszügen.
Das sagt Schindler zu der Frage, …
… wie häufig russische Drohnen Militärbasen und -transporte ausspähen
Es gebe regelmäßig Berichte über Drohnen, die deutsche Militärinstallationen ausspähen, Militärtransporte aus der Luft begleiten und offensichtlich Aufklärung betreiben.
Das ist Teil der hybriden Kriegsführung Russlands.
Hans-Jakob Schindler, Geheimdienstexperte
Diese habe bereits 2014 begonnen, sei seit 2022 aber massiv angestiegen. Ziel der russischen Spionage und Aufklärung sei es unter anderem, einen Überblick darüber zu bekommen, welche Waffen und auf welchem Weg sie in die Ukraine gelangen.
Außerdem stünden die Ausbildung ukrainischer Soldaten bei der Bundeswehr und wichtige Infrastruktureinrichtungen im Fokus.
Immer häufiger wurden zuletzt Drohnen über Militärgelände gesichtet. Vieles deute darauf hin, dass Russland ein Interesse an Ausspähung habe, so Sicherheitsexperte Rafael Loss.
15.01.2025 | 12:17 min… was Behörden und Bundeswehr gegen die russische Spionage tun können
Drohnenangriffe zu verhindern oder abzuwehren gestalte sich auf vielerlei Ebenen schwierig. Das liege auch am föderalen System in Deutschland. "Gerade wenn wir über Waffentransporte reden, dann sind diese natürlich durch die Bundeswehr organisiert", erklärt Schindler.
Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Konvois durch mehrere Bundesländer fahren. Hier stehe der Föderalismus der deutschen Spionage-Abwehr im Weg. Zuständigkeiten würden sich überschneiden und hin- und hergeschoben. Schindler fordert deshalb eine Taskforce. Es sei wichtig, Informationen besser und schneller zu bündeln. Sollte diese Idee umgesetzt werden, bliebe dennoch vieles offen:
Das sind relativ komplexe rechtliche Fragen, die noch geklärt werden müssen.
Hans-Jakob Schindler, Sicherheitsexperte
Immer öfter tauchen Drohnen über zivilen und militärischen Einrichtungen auf. Die Bekämpfung von Spionage und Sabotage ist noch eingeschränkt, doch in Schleswig-Holstein werden jetzt mehr Mittel zur Verfügung gestellt.
18.03.2025 | 1:44 minSchindler erläutert, "dass die deutschen Sicherheitsdienste in den letzten Jahren (…) auf eine viel bessere rechtliche Grundlage gestellt worden sind". Die Möglichkeiten dieser Dienste seien sehr weit in Richtung Datenschutz und Individualschutz verschoben worden. Für eine effektive deutsche Aufklärungsarbeit brauche es mehr:
Dafür brauche ich aber die Möglichkeit, KI einzusetzen, die Möglichkeiten, Massendaten und Verbindungsdaten auswerten zu können.
Hans-Jakob Schindler, Sicherheitsexperte
Rechtsgrundlagen bestünden jedoch nur im Ansatz für die deutschen Sicherheitsbehörden. Mit Blick auf die Cyber- und Internetaufklärung seien die deutschen Sicherheitsdienste im europäischen Vergleich die am weitesten beschränkten - mit Ausnahme von Österreich.
Die Bundesanwaltschaft hat im Mai drei Ukrainer wegen mutmaßlicher Agententätigkeit festnehmen lassen. Die Spur führt offenbar nach Moskau. Geheimdienst-Experte Schindler erklärt, warum.
14.05.2025 | 16:12 min… inwieweit es Russland darum geht, Angst in Deutschland zu verbreiten
Russland gehe es bei der Spionage darum, die Kampfkraft seiner Gegner einzuschätzen und schleichend zu zerstören. Ziel sei es, "auch den Zusammenhalt innerhalb einer gegnerischen Gesellschaft, in diesem Fall Deutschland", auszuhöhlen. Dafür setze Moskau auf "Miss- und Desinformation, Propaganda, aber auch durch das Verbreiten von Angst", erläutert Schindler.
Zu dieser Taktik gehören demnach auch Sabotageakte.
Das wirkliche Sicherheitsproblem ist der langfristige Erkenntnisgewinn Russlands.
Hans-Jakob Schindler, Sicherheitsexperte
Cyberangriffe, Sabotage, Brandanschläge und sogar Auftragskiller - Russlands hybride Kriegsführung hat viele Gesichter. Wie Deutschland gegen Russlands Schattenkrieg gewappnet ist.
14.10.2024 | 15:08 minDurch die russische Spionage erhalte der Kreml Informationen darüber, "wie das deutsche Militär funktioniert, wie die Abläufe sind, wie die Sicherungsmaßnahmen sind". Diese streng vertraulichen Informationen würden einem potenziellen Gegner in möglichen zukünftigen Auseinandersetzungen einen entscheidenden Vorteil verschaffen, so der Sicherheitsexperte.
Das Interview führt ZDF-Moderatorin Sara Bildau. Zusammengefasst hat es Merit Tschurer.
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